Getreide-Ernte im November

Getreide-Ernte im November

aus der Neuen Westfälischen vom 21.11.2009

Am Freitag mähte Bio-Bauer Jörg Simon seine Sommergerste

VON KARL FINKE

 

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Bio-Bauer Jörg Simon (r.) aus Hegensdorf hält in seinen Händen die gerade gedroschene Sommergerste und ist zufrieden. Sein Mitarbeiter Franz Berg (Harth) hat das Korn getestet und für gut befunden.
Als wär’s ein Stück Sommer

| FOTO: KARL FINKE

Büren-Hegensdorf. Von Vorbeifahrenden ist der Mähdrescher ungläubig beäugt worden. Eine Staubwolke zieht er hinter sich her. Jörg Simon hat mehr als ein T-Shirt an, aber das würde an diesem Tag fast reichen. 18 Grad Celsius zeigt das Thermometer. Ein idealer Erntetag – im November.

Am Freitag hat der Bio-Bauer aus Hegensdorf seine Sommergerste abgemäht. 20 bis 30 Zentimeter hoch steht das Getreide auf der Hochfläche am Okental, eine kurze Sorte mit dem Namen Orthega. "Nicht alle Ähren sind gut ausgebildet", sagt der Inhaber von Salms Hof – aber doch recht viele. Die Gersten-Körner, die er aus dem Tank des Mähdreschers nach unten holt, haben ordentliches Volumen.
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"Mehr als ich dachte", bewertet Simon das Ergebnis. Auf den steinigen Böden sei der Ertrag bei Bio-Getreide generell nicht sehr hoch. 20 bis 30 Doppelzentner pro Hektar werden es wohl auch bei dieser späten Ernte. Zwei Hektar muss der Mähdrescher hier abfahren.

Zwei weitere Hektar in der Nachbarschaft hat der Diplom-Agraringenieur ein paar Stunden zuvor nicht wiedererkannt. Mäuse haben die Gerste komplett abgefressen. "Damit habe ich nicht gerechnet", sagt Simon und kann über sich selbst lachen.
Als er die Sommergerste am 3. Juli ausgesät hat, nach dem Kleegras, feierte Hegensdorf Schützenfest. "Da hat mich zum Glück keiner gesehen", erinnert sich Simon. Auf die Idee brachte ihn ein Beitrag in den ARD-Tagesthemen vor Jahresfrist über einen Landwirt, der noch im Dezember seinen Mähdrescher einsetzte. In Internet-Foren hat sich der Hofherr anschließend informiert. Die meisten Kollegen gaben seinem Vorhaben keine großen Chancen – Tenor: "Das wird nichts."

Doch durch die erste regenreiche Juli-Woche ging die Gerste schon eine Woche später auf. Im relativ nassen August musste Simon Glück haben, denn Feuchtigkeit und Wärme fördern viele Getreide-Krankheiten. Die noch relativ langen Tage mit viel Licht waren für die Blüte notwendig. Ab Mitte September wuchsen nur noch die Körner. Seit sechs bis acht Wochen steht die Gerste und wartet lediglich auf die zur Ernte notwendige Abtrocknung.

Salms Hof braucht viel Futtergetreide. 200 schwäbisch-hallische Schweine, eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, müssen satt werden – dazu 30 Zuchtsauen. Simon baut viel Dinkel an, lässt die alte Getreidesorte zur Mühle in Warburg fahren und nimmt zur Verfütterung kleine und Bruch-Körner zurück. Gutes Getreide soll im Bio-Bereich zur Nahrungsmittelproduktion gereichen.

"Landwirtschaft lebt vom Probieren", bilanziert Bio-Bauer Simon seinen Versuch und spricht von "Erkenntnisgewinn". Er will mit der Sommergerste als Zwischenfrucht auf jeden Fall weitermachen: "Wir werden das weiter perfektionieren."

 

Quelle: Neue Westfälische vom 21.11.2009